Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen darüber finden Sie in der Datenschutzerklärung.
www.mitgliederservice.at

Kaum Geld trotz Job

Wie uns niedrige Löhne und Gehälter krank machen können

Reicht trotz Arbeit das Geld nicht zum Leben stehen Beschäftigte unter massivem Stress, der sich auf die Psyche und den ganzen Körper schlägt.
Trotz Arbeit viel zu wenig Geld zum Leben Reicht trotz Arbeit das Geld nicht zum Leben stehen Beschäftigte unter massivem Stress, der sich auf die Psyche und den ganzen Körper schlägt.

Trotz Arbeit viel zu wenig Geld zum Leben – das ist für 300.000 Beschäftigte in Österreich bittere Wirklichkeit. Sie sagen laut aktuellem Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich, dass sie mit ihrem Einkommen nicht auskommen. 43 Prozent geben an, ihr Lohn oder Gehalt reiche gerade, um sich über Wasser halten zu können. Wie sich dieser permanente Kampf ums tägliche (Über-)Leben auf die Betroffenen auswirkt, haben wir den Grazer Psychologen Dr. Roland Bugram gefragt.

  Psychologe Roland Bugram Dr. Roland Bugram im Interview mit der SOLIDARITÄT

Solidarität: Macht Armut krank?  

Dr. Bugram: Das Wissen, dass das Geld nicht reicht, bedeutet natürlich massiven Stress für die Betroffenen. Stress, der sich auf die Psyche und letztlich auch auf den ganzen Körper schlägt. Studien belegen, dass Herzkrankheiten, Bluthochdruck oder Depressionen ausgelöst werden können. Ja, Armut oder leben am Existenzminimum kann krank machen.

Gibt es spezielle Situationen, die besonders heftig sind? 

Große Feste wie Weihnachten oder Geburtstage, aber auch der Schulstart zum Beispiel. Nehmen wir eine Familie mit drei Kindern: Der Mann arbeitet in der Gastronomie, die Frau halbtags in der Reinigung. Beide sind in Niedriglohnbranchen, da ist Geld für Geschenke und Ähnliches knapp. Daher lösen diese ganz besonderen Tage oft zusätzlich Unwohlsein aus, weil die Eltern ihren Kindern ja etwas bieten wollen. 

Arbeit ist sehr hoch besteuert in Österreich. Würde es helfen, diese Steuern zu senken und so Einkommen zu erhöhen? 

Auf alle Fälle. Das würde den psychischen und physischen Stress lindern, und letztlich ersparen wir so auch dem Gesundheitssystem enorme Kosten. Wir als reiches Land müssen beginnen, uns um die Menschen zu kümmern. Die Wirtschaft darf nicht immer an erster Stelle stehen.

„Reicht das Einkommen nicht aus, das tägliche Leben zu bestreiten, löst das massiven psychischen Stress aus und kann krank machen.“ Roland Bugram

Was würde den Betroffenen noch helfen, gesünder durchs Leben zu kommen?  

Entspannung ist ganz wichtig. Nicht nur körperliche, sondern auch geistige. Menschen, die besser verdienen, können es sich leisten, sorglos ihre Freizeit zu genießen. Das muss aber auch für Menschen mit niedrigeren Einkommen möglich sein. Das ist sehr wichtig für die Psychohygiene. Hier braucht es einen sozialpolitischen Ansatz. Ich denke da etwa an die Einführung einer „Freizeit-Card“. Damit könnte man zum Beispiel kostenlose oder stark vergünstigte Angebote für Freizeitaktivitäten anbieten, wie Schifffahrten, Freibäder, Museen und Ähnliches.  

Abschließend eine wichtige Frage: Macht Geld glücklich? 

Nein, macht es nicht. Aber es steigert die Zufriedenheit. Das wiederum fördert jedes Individuum und stärkt das Zusammenleben in der Gemeinschaft. 

Interview: Peter Leinfellner

Ähnliche Themen:

13.10.2020

#sichtbar:unverzichtbar

Mit ArbeitnehmerInnen spielt man nicht
13.10.2020

Viel riskiert, alles gewonnen

Sein Gerechtigkeitssinn hat Karl Loitelsberger dazu getrieben, einen Betriebsrat zu gründen.
Gesundheitssystem gehört ausgebaut 19.06.2020

Keinen Daumen hoch, keinen Daumen runter

Warum wir unser Gesundheitssystem ausbauen und unsere Intensivbetten behalten müssen

Artikel weiterempfehlen

Wir sind für Sie Da!
Österreichischer Gewerkschaftsbund
Johann-Böhm-Platz 1
A-1020 Wien
Telefon: +43 / 1 / 534 44 39
e-Mail: oegb@oegb.at
© Österreichischer Gewerkschaftsbund | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutz | Inhalt