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Keinen Daumen hoch, keinen Daumen runter

Warum wir unser Gesundheitssystem ausbauen und unsere Intensivbetten behalten müssen

Noch sind uns die Bilder aus Italien erspart geblieben. Glücklicherweise. Keine überfüllten Krankenhäuser. Keinen Daumen hoch, keinen Daumen runter von überforderten ÄrztInnen, die in der Stunde entscheiden müssen, wer behandelt und wer alleingelassen wird.

Trotzdem mehren sich in letzter Zeit die Stimmen, dass das Gesundheitssystem zu teuer sei. Argumente dafür lieferte in der Vergangenheit der Rechnungshof: Akutbetten sollten abgebaut werden, denn im internationalen Vergleich würde sich Österreich übermäßig viele davon leisten, lautete die Kritik. Das Geld könnte man in andere Bereiche investieren, hieß es. Da sei ein Einsparungspotenzial von 4,75 Milliarden Euro drin, sagte der Rechnungshof. 

Weitsicht nicht auflösen 

Doch so einfach ist das nicht. Österreichs Krankenanstalten kamen bisher nur deshalb gut über die Runden, weil es ausreichend Budget gab. Das war auch der Weitsicht vorheriger gesundheitspolitischer Entscheidungen geschuldet. Es kam bislang zu keinen Schreckensberichten aus der Intensivmedizin, weil auch die Betreuung von PatientInnen ohne COVID-19-Infektion heruntergefahren wurde, um möglichst viel Kapazität für Corona-Kranke zu haben. 

Einsparungen gab es schon 

Die tatsächliche Bettenzahl in den öffentlich finanzierten Krankenanstalten wurde zwischen 2008 und 2018 um 4.416 Betten auf 44.183 reduziert. Allein im Jahr 2018 musste der Gesundheitsbereich so mit 800 Millionen Euro weniger auskommen. Wenn man das auf zehn Jahre aufrechnet, dann sind das rund 4,2 Milliarden Euro, die das Gesundheitssystem weniger zur Verfügung hat. Einzig die Personalquote pro Bett ist in diesem Zeitraum gestiegen. Dabei bräuchte es nicht weniger Geld, sondern mehr. So braucht es auch mehr Ärzte und Ärztinnen und mehr Ausbildung in diesem Bereich. 

Von den besagten 44.183 Spitalsbetten in Österreich befinden sich 2.451 Betten in Intensivüberwachungs- und Intensivbehandlungseinheiten. Eine angenommene Auslastung von 80 Prozent bedeutet, dass aktuell rund 8.800 normale und 490 Intensivbetten frei sind. Also kein Grund, erneut zum Sparstift zu greifen. Außerdem hatte die freie Bettenzahl zuletzt eine vertrauensbildende Funktion. 

Wir sind noch nicht am Ziel 

Zu guter Letzt stehen wir laut führenden Virologen am Anfang der weltweiten Pandemie. Es können also noch Infektionswellen, beispielsweise im Herbst oder im Winter, folgen. Von „gut davongekommen“, wie manche jetzt schon sagen, können wir noch nicht reden, weil der Weg bis zum Impfstoff noch lang ist. 

Und auch der Rechnungshof ist mit seinen Analysen mittlerweile zurückgerudert: „Ganz Österreich wird seine Lehren aus der Corona-Krise ziehen müssen. Da ist der Rechnungshof keine Ausnahme“, verkündete Präsidentin Margit Kraker erst kürzlich. Schon länger stehe bei den Prüfungen nicht mehr die Einsparung, sondern der Nutzen für die BürgerInnen im Vordergrund – zu Recht. Die Krise hat uns gezeigt, wie wichtig eine gute Ausgangslage im Gesundheitssystem für alle sein kann. Damit niemand zurückgelassen wird, wenn es darauf ankommt, braucht es weiterhin genügend Budget und ausreichend intensivmedizinische Kapazitäten. 

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